Flößerpfad von Alpirsbach nach Schiltach, am 16.07.17

Angeregt durch die letztjährige Wanderung auf dem Hahn-und-Henne-Weg, der die Erzählung des Heimatdichters Heinrich Hansjakob über eine unglückliche Liebe der Tochter des Vogts auf Mühlstein und der darin beschriebenen bäuerlichen Lebensweise thematisiert, entsprang der Gedanke, eine Wanderung auf einem Teil des Flößerpfades zu planen. Beschreibt doch der Heimatdichter in seiner Erzählung „Erzbauern“ gerade die Lebensart der reichen Bauern des oberen Kinzigtals mit ihren Seitentälern. Das Wolftal, das Laienbächle, das Schappachtal oder der Kaltbrunn spielen in dieser Erzählung eine besondere Rolle. Gerade diese Bauern verdankten ihren Reichtum der Flößerei; hatten sie doch große Waldbesitzungen mit zahlreichen sogenannten Holländertannen. Allerdings mussten diese Tannen zu den Konzernen der Kinzigschiffer in Schiltach oder Alpirsbach transportiert werden. Wer die Gewässer im Kinzigtal kennt, ist über dies Unterfangen erstaunt, sind dies doch allemal keine großen Flüsse, die ein Flößen einfach machen.

Wandergruppe        Kinzig bei Schiltach

Wandergruppe                                                                                                     Kinzig bei Schiltach

Um das Handwerk der Flößer zu ergründen, ist gerade der Teil des Flößerpfades zwischen Alpirsbach und Schiltach am besten geeignet. Leider ist der ganze Themenweg, der sich von Loßburg bis nach Wolfach mehr oder weniger in der Nähe der Kinzig schlängelt, für eine Tageswanderung zu weit. Alpirsbach ist in unserer Gegend vor allem wegen seiner Brauerei bekannt. Allerdings besitzt es mit dem im elften Jahrhundert geweihten Kloster ein spätromanisches Kleinod, dessen Kreuzgang bereits mit gotischen Elementen erbaut wurde. Nach dem Kloster empfing uns bereits wieder der Flößerpfad und wir wurden in das Geheimnis und die schwere Arbeit der Flößer anhand von zahlreichen Tafeln eingewiesen. Wie schwierig und wie hoch der Kenntnisstand der „Ingenieure“ war, setzte uns doch in Erstaunen. Zahlreiche Bäche wurden aufgestaut und dann schlagartig geöffnet, damit ein Floß auf dem Schwall fortgetragen wurde. Reichte das Wasser nicht aus, musste dann entweder ein weiteres Wasserrückhaltebecken geöffnet werden oder man musste warten, bis die leeren Becken wieder gefüllt waren. Dass das Flößen in den engen Tälern eine gefährliche Arbeit war, bezeugen etliche Tafeln, auf denen auch einzelne Schicksalsschläge dokumentiert sind. Bereits kurz nach Alpirsbach erreichten wir die badisch-württembergische Grenze, die heute noch sehr pittoresk dargestellt ist.

Rathaus von Schiltach        Ruine Schenkenburg

Rathaus von Schiltach                                                                                    Ruine Schenkenburg

In Schenkenzell angekommen machten wir in einem gut bürgerlichen Restaurant unsere verdiente Mittagspause, bevor wir die recht eindrucksvolle Ruine der Schenkenburg besichtigten. Kurz danach war mit Schiltach unser Tagesziel erreicht. Der größte Teil der Wandergruppe kannte Schiltach noch nicht, umso eindrucksvoller war deshalb die Besichtigung des kleinen Städtchens, das seinen Reichtum dem Wohlstand der Kinzigschiffer verdankte. Zahlreiche mittelalterliche Fachwerkbauten zeugen von einer bewegten Vergangenheit. Besonders beeindruckend ist der mittelalterliche Marktplatz mit seinem hervorstechenden Rathaus. Am Ende fuhren wir mit der Schwarzwaldbahn wieder nach Malsch zurück.

henh

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