Wandertage im Breisgau

Die seit einigen Jahren durch den Schwarzwaldverein Malsch durchgeführten Wandertage erfreuen sich einer regen Beliebtheit, führen sie doch gleichwohl zu Naturschönheiten wie auch zu historischen Schauplätzen unserer näheren Heimat. Dieses Mal stand der ehemals österreichische Teil Badens im Fokus der Wandertage – nämlich die Gegend um die Zähringerstadt Freiburg.

Vor der Geschichte sollte aber zuerst einmal ein Highlight der besonderen Art, nämlich eine Bootsfahrt auf dem Taubergießen, den Auftakt der Wandertage bilden. Der durch die Blinde Elz gebildete Taubergießen, der ab dem durch den Europa Park bekannten Fischerort Rust diese Bezeichnung innehat, schlängelt sich durch eine einzigartige Urwaldlandschaft parallel zum Rhein. Das einzigartige Biotop darf nur mit einer Ausnahmegenehmigung des Regierungspräsidiums Freiburg mit motorlosen Booten befahren werden. Die Fischerzunft der Anrainerorte haben das Privileg mit ihren ursprünglichen Fischerkähnen diese Landschaft in einer circa zweistündigen Fahrt der interessierten Bevölkerung zugänglich zu machen. Schon beim Beginn der Fahrt entsteht der Eindruck in einer völlig anderen Welt, nämlich in einer dem Amazonas ähnelnden Urwaldlandschaft, zu sein. Zahlreiche Vogelarten können bei der gemächlichen Fahrt beobachtet werden. Es sollte uns auch vergönnt sein, einen Biber und einige Biberratten, die sogenannten Nutria zu Gesicht zu bekommen. Nach dieser sehr erholsamen Fahrt reisten wir zu unserem Unterkunftsort in Waldkirch weiter. Nach dem Mittagessen erkundeten wir die zwischen den Jahren 1250 und 1260 durch die Herren von Schwarzenberg erbaute Kastelburg. Die auf einem Bergsporn thronende Höhenburg ist ein beeindruckendes Zeugnis mittelalterlicher Baukunst. Da die Burg nur auf einer Höhe von ca. 400 Meter liegt, war dies bei der doch etwas warmen Witterung gerade das richtige Ziel, um den Auftakt der Wandertage zu bilden.

Stocherkahnfahrt auf dem Taubergießen         Nutria und Schlange am Ufer des Taubergießen       

                                               Stocherkahnfahrt auf dem Taubergießen                                                       Nutria und Schlange am Ufer des Taubergießen

Der zweite Wandertag sollte ganz im Zeichen des Bergbaus stehen. Im Kinzigtal wurde dieser Wirtschaftszweig des mittleren Schwarzwaldes spätestens durch die Erzählung „Erzbauern“ des Heimat- und Volksdichters Heinrich Hansjakob bekannt. Das südlich von Waldkirch verlaufende Suggental blickt auf eine lange Bergbautradition zurück. Die Anfänge des Bergbaus liegen vermutlich schon in römischer Zeit. Der Bergbau, bei dem vor allem Blei und Silber abgebaut wurde, erlebte seine Blütezeit im 13. Jahrhundert, bevor das Dorf bei einem Dammbruch fast vollständig zerstört wurde. Stilles Zeugnis dieses bedeutenden mittelalterlichen Bergbauzentrums ist noch die Grundmauer der heute nicht mehr existierenden Kirche, die in ihren Ausmaßen für den kleinen Ort viel zu groß dimensioniert ist. Bei einer fundierten Besichtigung des wieder restaurierten ehemaligen Bergwerkes wurden wir in die schwere Arbeit des mittelalterlichen Bergbaus eingeführt. Sehr eindrucksvoll wurden die Entwässerung sowie der Abbau des Erzes dargestellt. Nach dieser Besichtigung wanderten wir in Richtung Kandel bevor wir über den Sattel ins Glottertal vorbei am 1913 und 1914 erbauten Carlsbau kamen. Dieser Bau erlangte eine überregionale Berühmtheit, da er als Außengebäude für die Serie Schwarzwaldklinik diente. Nach einer ausgiebigen Rast in einem Weinlokal fuhren wir wieder in unser Quartier in Waldkirch zurück.

Miniatur Bergbau im Suggental         Freiburger Münster vom Schloßberg

Miniatur Bergbau im Suggental                                                                                       Freiburger Münster vom Schloßberg

Am dritten Tag stand eine ganz besondere Führung in der Zähringerstadt Freiburg auf dem Programm. Bei einem leicht frivolen Rundgang mit einer in die Rolle einer Hure geschlüpften Schauspielerin lernten wir die dunkle Seite einer mittelalterlichen Stadt kennen. Trotz dieser heiteren und amüsanten Eskapaden erfuhren wir doch so manche interessante Information aus Freiburgs Geschichte. Zum Beispiel, dass die Stadtgründer etwa ihre Stammburg in Weilheim an der Teck hatten. Eindrucksvoll waren auch die am Eingangsportal des Münsters angebrachten Maßeinheiten, anhand denen man im Mittelalter zumindest die quantitative Beschaffenheit der eingekauften Waren überprüfen konnte. Ergötzlich war vor allem der Bummel durch die Altstadt, bei der durch die schauspielerischen Einlagen das mittelalterliche Leben auf eine recht unterhaltsame Weise vermittelt wurde. Nach der wohlverdienten Mittagspause erwanderten wir den Freiburger Schlossberg. Angesichts der doch recht warmen Witterung gönnten wir uns den halben Aufstieg mittels einer Zahnradbahn bevor wir uns auf die rund 10 Kilometer lange Erkundung der Überreste der auf die Zähringer zurückgehenden Burg machten. Diese Burg wurde im Laufe des Mittelalters zu einer doch recht bedeutenden Stadtbefestigung ausgebaut. Aber nicht nur wegen seiner historischen Bedeutung lohnt sich ein Aufstieg auf den Schlossberg, bietet sich doch von dort wohl einer der schönsten Anblicke auf das Freiburger Münster. Den Abschluss dieses Wandertages bildete der Besuch eines schönen in der Altstadt gelegen Biergartens einer Hausbrauerei.

   Wandergruppe

Wandergruppe

Den Abschluss der Wandertage sollte eigentlich eine teilweise alpine Wanderung um den Waldkircher Hausberg – der Kandel- bilden. Allerdings als wir am Kandelhof anlangten, zeigte sich das Wetter von seiner heftigen Seite. Ein Gewitter mit Starkregen und den üblichen Begleiterscheinungen machte diese Wanderung unmöglich. Als alternativer Programmpunkt wurde kurzerhand den Klosterkirchen Sankt Peter und Sankt Märgen ein Besuch abgestattet. Sankt Peter, das natürlich ebenfalls auf die Zähringer zurückging, war mehr als ein adäquater Ersatz für die ausgefallene Wanderung. 

Zu unseren Wanderungen sind Gäste immer willkommen.

 

henh

© SCHWARZWALDVEREIN MALSCH e.V.