Auf den Spuren von Emil Wachter - Auf dem Bickesheimer Pilgerpfad

Der aus Neuburgweier stammende Maler und Bildhauer Emil Wachter ist eigentlich weit über unsere Heimat hinaus bekannt; trotzdem sind seine zahlreichen Werke in der näheren Umgebung weitestgehend unbekannt. Sicher kennen die meisten die von ihm gestaltete Autobahnkirche St. Christophorus bei Baden-Baden; nach anderen Wirkungsorte gefragt, erhält man meistens nur ein Achselzucken. Dass er auch hier in Malsch sowohl in der katholischen Kirche St. Bernhard als auch in der evangelischen Melanchthon-Kirche tätig war, ist vielen nicht bekannt. Dies war Grund genug, einmal auf dem Bickesheimer Pilgerpfad die von ihm in seiner ursprünglichen Heimat geschaffenen Kunstwerke zu erwandern.

Der bei der 1000jährigen Wallfahrtskirche Maria Bickesheim beginnende und dort auch endende rund achtzehn Kilometer lange Pilgerweg führt abseits der viel befahrenen Straßen zu alten und zeitgenössischen Kunstwerken unserer Heimat. Da er nur geringe Steigungen aufweist bleibt eigentlich viel Zeit, die von Emil Wachter ausgestalteten Kirchen zu besichtigen. Als ein weiterer Startpunkt der Tour würde sich vor allem sein Geburtsort Neuburgweier anbieten. Wir aber wollten am Ende der schon etwas langen Tour noch zünftig einkehren und wählten deshalb den Parkplatz beim ehemaligen Zollhaus am Rhein.

Gleich am Anfang gab es einige Informationen über das Leben von Emil Wachter, der 1921 in Neuburgweier das Licht der Welt erblickte und im Jahr 2012 in Karlsruhe starb. Nach seinem Studium der Theologie und Philosophie an der Universität Freiburg entschied er sich für die Malerei und Bildhauerei, die er an der Akademie in Karlsruhe studierte. Da seine Werke häufig der jüdisch-christlichen Tradition entnommen sind, finden sich sehr viele derselben in Sakralbauten. Aber auch ganze Kirchenbauten wurden von ihm gestaltet.

Seitenaltar von St. Andreas in Au am Rhein         Altar der Wallfahrtskirche Maria Bickesheim in Durmersheim       

                                      Seitenaltar von St. Andreas in Au am Rhein                                               Wallfahrtskirche Maria Bickesheim in Durmersheim

Über den Rheindamm entlang eines reizvollen Naturschutzgebietes erreichten wir die von Emil Wachter ausgemalte Pfarrkirche St. Andreas in Au am Rhein. Die unteren Teile der Fenster, die er 1992 schuf, zeigen verschiedene Gleichnisse Jesu, während an der Mittelachse der Decke die acht Seligpreisungen dargestellt sind. Der von ihm gestaltete Chorraum zeigt Szenen aus dem Leben des Apostels und Kirchenpatrons Andreas. Vorbei an der Antoniuskapelle, deren Ausmalung der aus Mörsch stammende ebenfalls bekannte Kirchenmaler Stefan Gerstner geschaffen hatte, erreichten wir die 1912 bis 1914 im Jugendstil erbaute Herz-Jesu Kirche in Würmersheim, in der Emil Wachter ebenfalls zwei Kirchenfenster geschaffen hat. Neben diesen Fenstern verdient vor allem ein Barockaltar sowie der von Stefan Gerstner geschaffene Kreuzgang Beachtung.

Emmaus-Kapelle in Neuburgweier Friedhof         Eingang St. Ursula in Rheinstetten

Emmaus-Kapelle in Neuburgweier Friedhof                                                                                       Eingang St. Ursula in Rheinstetten

Jetzt folgte leider ein zwei Kilometer langes auf einem Fußgängerweg verlaufendes Stück Pilgerpfad bevor wir die heute zumeist barock ausgestaltete Wallfahrtskirche Maria Bickesheim erreichten. Von den zahlreichen kunsthistorischen Schätzen der Kirche sollen hier nur die Gnadenmadonna aus dem späten 13. Jahrhundert und die gotischen Fresken des Katharinenchors genannt werden. Außerdem befindet sich bei der Kanzel das wohl älteste in Stein gehauene noch existierende badische Wappen.

   Blick in St. Ursula Rheinstetten

Blick in St. Ursula Rheinstetten

Nach der ausführlichen Besichtigung der Wallfahrtskirche folgte ein großes Stück durch urwaldähnliche Landschaft führender Pfad, bevor wir den Geburtsort von Emil Wachter erreichten. Natürlich hat er dort zahlreiche Werke geschaffen, von denen wir nur einen Teil besichtigen konnten. Erwähnenswert ist vor allem sein bildhauerisches Erstlingswerk „Die Eltern und der tote Sohn“, das auf dem Friedhof als Kriegerehrenmal steht. Ebenfalls sehenswert ist die Emmauskapelle im hinteren Teil des Friedhofs. Unter dem Thema Osteröffnung zeigt er dort in einer für ihn typischen Szene die Auferstehung. Zwei Jünger sitzen an einem Tisch, der dritte Stuhl ist leer. Hier saß Jesus Christus, der jetzt als Lamm über ihnen schwebt. Direkt neben der Kapelle befindet sich sein schlichtes Grab.

Anschließend statteten wir der Pfarrkirche St. Ursula einen Besuch ab. Die Kirchenfenster mit den zwölf Aposteln hat Emil Wachter in seinen jungen Jahren gefertigt, Die in rot und blau gehaltene Chorbemalung stammt aus dem Jahr 1991. Hauptthema bildet der am Kreuz gestorbene Jesus. Die Außenbemalung der Kirche stammt ebenfalls von Emil Wachter.

Nach der Kirchenbesichtigung erreichten wir schnell das ehemalige Zollhaus, in dessen Biergarten wir uns von der langen Wanderung erholen konnten.      

Zu unseren Wanderungen sind Gäste immer willkommen.

 

henh

© SCHWARZWALDVEREIN MALSCH e.V.