Wanderung auf den Hohentwiel

Wer kennt sie nicht die Festungsanlage bei Singen auf dem Hohentwiel. Wer mit der Schwarzwaldbahn durch das Kinzig- und Gutachtal dem Bodensee einen Besuch abstattet, dem blickt die Festungsanlage aus der Ferne entgegen und doch ist den meisten diese auf einem ehemaligen Vulkan thronende Anlage unbekannt. Neben der landschaftlichen Schönheit hat die Festungsanlage auch noch einige historische Besonderheiten zu bieten.

Klar, Singen am Hohentwiel liegt in Baden. Aber was hat der Hohentwiel mit Baden gemeinsam? Wenn man jetzt noch die Kenntnis besitzt, dass die Landschaft dort bis ins frühe 19. Jahrhundert zu Vorderösterreich gehörte und der Hohentwiel eine württembergische Landesfestung war, wird die Verwunderung noch größer. Singen wurde erst durch die Neugestaltung Europas durch Napoleon dem neu kreierten Großherzogtum Baden zugeschlagen.

Da Singen einen direkten Zuganschluss von Karlsruhe aus besitzt und mit dem Baden-Württemberg-Ticket auch noch preisgünstig erreichbar ist, stand diesem eigentlich recht weit entfernten Wanderziel nichts entgegen. Und die etwa dreistündige Zugfahrt bietet viel Abwechslung durch die doch recht unterschiedlichen zu durchfahrenden Landschaften.

                

                                                             Festung Hohentwiel                                                                                        Blick aus einem Tor auf den Hohenkrähen

Als wir in Singen ausstiegen, zeigte sich wenige Schritte vom Bahnhof entfernt schon unser Ziel, die ehemalige Festungsanlage. Entlang den die Wirtschaftsgeschichte Singens prägenden Maggi-Werken wanderten wir zum Fuße des ehemaligen Vulkans. Jetzt galt es die circa 200 Höhenmeter bis zur Domäne Hohentwiel zu ersteigen. Hier zeigte sich bereits die Eigenart einer typischen Vulkanlandschaft. Der Wanderweg zu der eigentlich nur wenige hundert Meter vom Bergfuß entfernten Domäne ist schon etwas schweißtreibend, sind die Vulkane doch recht steil. Wir stiegen deshalb in einigen Serpentinen zu der Domäne auf, bei der auch die Eintrittskarten für die Festungsanlage zu erhalten sind. Auch kann dort eine Ausstellung über die recht wechselvolle Geschichte des Hohentwiel mit einer naturgetreuen Abbildung der Festungsanlage besichtigt werden. 

Die Festungsruine, die eine der größten und neben der Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz die wohl bekannteste Anlage im süddeutschen Raum ist, war Residenz der Herzöge von Schwaben und wurde später zu einer württembergischen Landesfestung ausgebaut. Und damit ist die eigentliche -nebenbei bemerkt militärisch zwar unbedeutende- aber politisch hochbrisante Situation entstanden, dass im habsburgischen Hoheitsgebiet eine württembergische Festung existierte.

       

Der ehemalige Kirchturm                                                                                       Unsere Wandergruppe

Hervorgegangen aus einem ehemaligen Kloster wurde die Anlage baulich stets erweitert, um dem Druck der Habsburger stand halten zu können. Sie wurde militärisch nie erobert und während der Befreiungskriege kampflos an die Franzosen in der Hoffnung übergeben, dass die Anlage nicht zerstört wird. Dies war ein Irrglaube. Die Franzosen haben die Anlage anfangs des 19. Jahrhunderts geschliffen.

Nicht nur der Wohnbau der Fürsten, die Unterkünfte für die Besatzung und die Verteidigungsanlagen gehörten zur Festung, sondern auch das Umland. Es war eine Frage der Unabhängigkeit und des Überlebens. Ob herzogliche Besucher oder die Soldaten und ihre Familien – alle mussten mit Holz, Getreide, Heu und Wein versorgt werden. Daher gab es neben der eigentlichen Festung oben auf dem Felsen eine Vorburg auf halber Höhe und einen Gutshof, eine sogenannte Domäne, unten im Tal.

Große Teile der Festung sind trotz der Schleifung noch erkennbar. Hierzu gehören neben den Versorgungseinrichtungen wie z.B. die Marketenderei, die Werkstätten und der Pulverturm vor allem der Residenzbau. Beeindruckend sind die ehemalige Kirche sowie der Wohnbau der Fürsten. Schon beim Aufstieg von der Unterfestung zu den Residenzräumen, bei dem noch einmal ca. 100 Höhenmeter zu überwinden waren, zeigte sich die herausragende Lage der Bauten, die atemberaubende Ausblicke in das Umland erlaubte. Auf dem ehemaligen Kirchturm als höchsten Punkt ist ein Rundumblick vorhanden, der nur schwer in Worte zu fassen ist. Der Blick reicht vom Bodensee bis hin zu den Alpen.

  

Silberdistel

Nach der Besichtigung setzten wir unsere Wanderung durch ein einmaliges Gebiet fort. Vor neun Millionen Jahren war der Hegau eine Landschaft von Vulkanen. Später erkaltete das empordringende Magma und wurde sehr hart. In den Eiszeiten wurde der äußere, weichere Tuffstein des Vulkankegels abgetragen, so dass nur der steil aufragende Fels des Hohentwiel stehen blieb, der im ehemaligen Vulkankrater steckte wie ein Korken in der Weinflasche. Zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten sind auf dem 108 Hektar großen Gelände des Hohentwiel zu finden: Falken, Kolkraben, Schmetterlinge sowie bedrohte Bienen- und Heuschreckenarten. Beeindruckend war auch der durch die herrschende Trockenheit besonders ausgeprägte Trockenrasen. Vergleiche mit einer italienischen Toskanalandschaft wurden durch einzelne Teilnehmer gezogen. Am Ende der Wanderung kehrten wir bei der ehemaligen Domäne in einem gut bürgerlichen Lokal ein. 

Zu unseren Wanderungen sind Gäste immer willkommen.

 

henh

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