Hohlwege im Kraichgau, am 29.10.17

Der Aufbruch zur Sonntagswanderung des Schwarzwaldvereins Malsch mit unserem Wanderführer Herbert Rull gestaltete sich zwar noch etwas nass und stürmisch, aber da es zunächst mit Bahn und Bus losging, konnten wir uns noch entspannt zurücklehnen. Der Kraichgau, Ziel unserer Tour, ist ein uraltes Siedlungs- und Ackerbaugebiet mit mildem Klima und fruchtbarem Lößboden. Hier siedelten sich schon in der mittleren Steinzeit Menschen an.

Hügellandschaft  Hügellandschaft

Hügellandschaft des Kraichgau

Unteröwisheim, der Ausgangspunkt unserer Fußwanderung, ist ein sehr alter Ort. Schon 771 n. Chr. wurde der Ort, gemeinsam mit Oberöwisheim, als Auwinsheim erwähnt. Zunächst also durchquerten wir diesen beschaulichen Ort mit noch einigen historischen Gebäuden, vielen Brunnen und kleinen Türmchen auf den Fachwerkhäusern. Wir kamen in der Dorfmitte an der sehr schönen evangelischen Kreuzkirche vorbei, die 1828 im Weinbrennerstil erbaut wurde. Schon von weitem sieht man das sog. „Schloss“ von Unteröwisheim, ein ehemaliger Pfleghof des Klosters Maulbronn, erstmals 1347 genannt.  Dachstuhl und Obergeschoss des Hauptgebäudes brannten 1989 völlig ab, wurden aber bald danach vom neuen Eigentümer, der CVJM Baden, hervorragend saniert.

Weiter führte uns der Weg entlang dem Kraichbach in die Weinbaugemeinde Oberöwisheim, bergauf zu deren Weinbergen mit dem ersten weiten Ausblick in die Hügellandschaft des Kraichgau. Inzwischen kam sogar die Sonne raus, und wir konnten beim Durchwandern der Felder und Wiesen gut die Sternwarte mit den astronomischen Großmodellen und der Galaxienwiese erkennen.

Sternwarte  Sternwarte

Sternwarte

Und da war er auch schon, unser erster Hohlweg. Während der Eiszeiten lagerte der Wind aus den Kies- und Schotterfluren der Oberrheinebene ausgewehten Löß – feinster kalkhaltiger Staub – weiter östlich ab. In den geschützten Hügeln des Kraichgau überdauerte die z.T. meterdicke Lößdecke bis heute. Infolge langdauernder Wegenutzung durch Fuhrwerke und Vieh, wurde die innere Struktur des Löss zerstört und mit dem abfließendes Regenwasser wurde das Gestein abgeschwemmt. So tieften sich die Wege immer weiter ein. Die Ränder blieben als steile Böschungen erhalten und im Laufe von Jahrhunderten sind so diese schluchtartigen Wege entstanden. Hohlwege sind von kulturhistorischer und archäologischer Bedeutung für die Frühgeschichte einer Landschaft. Viele stammen schon aus der Römerzeit.

Löcher in den Böschungen

Löcher in den Böschungen

Die großen und kleinen Löcher in den Böschungen der Hohlwege sind durch verschiedenartige Tiere entstanden, erklärte uns unser Wanderführer. Diese Hohlwege sind wertvoller Lebensraum für Tiere und Pflanzen (z.B. das Windröschen), da sie mit ihren gras- oder heckenbewachsenen Böschungen spezielle Bedingungen bieten. Vor allem die Gegensätze zwischen schattigen und sonnigen, trockenen und feuchten sowie windigen und windstillen Plätzen sind verantwortlich für das Vorhandensein der Lebensgemeinschaft Hohlweg. Grasböschungen zeigen meist eine reiche Blütenpracht, Hecken bieten Insekten, Vögeln (z.B. Mönchsgrasmücke und Raubwürger) und Kleinsäugern wie Igel oder Iltis Unterschlupf. Fledermäuse finden hier ihre Beute.

Neben dem Mausberg betraten wir dann den bekanntesten Hohlweg, die sogenannte Galgenhohle

Galgenhohle   Galgenhohle

Galgenhohle

Kurz nach dem Eintritt in die Galgenhohle steigen die seitlichen Wände bis zu 13 m hoch. Der erste Teil der Hohle ist 390 m lang, und es werden dabei 32 Höhenmeter überwunden. Der Weg führt 140 m über freies Feld und geht dann in den flacheren zweiten Teil der Galgenhohle über. Unweigerlich fällt einem hier das Zitat aus dem Theaterstück von Friedrich Schiller ein: „Durch diese hohle Gasse muss er kommen.“ Die lag allerdings nicht im Kraichgau.

Unser Weg führte uns weiter über die Hügel und Felder dieser schönen Landschaft. Wir sahen noch einige Hohle, schmale und breitere

Und am Ende führte uns ein breiter befestigter Hohlweg zurück nach Unteröwisheim und nach rund 13 km Wanderung zur verdienten Einkehr im Kannenbesen. Zurück am Bahnhof Malsch dankten wir unserem Wanderführer für diese schöne und lehrreiche Wanderung.

 

CB

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