Eindrücke der Jahresabschlusswanderung

Die Jahresabschlusswanderung 2014 stand unter dem Motto der heimatgeschichtlichen Erkundung der näheren Umgebung von Malsch und seinen Ortsteilen. Mit Kuppenheim wurde ein Ziel gewählt, das in heimatgeschichtlicher Hinsicht vieles zu bieten hat. Wer kennt schon die romantischen Ecken der ehemaligen Amtsstadt. Wer durch Kuppenheim mit dem Auto fährt, dem fällt schon die imposante Kirche auf. Der eine oder andere kennt auch die Reste der zusammen fast einen Kilometer langen Stadtmauer. Weitere Einzelheiten sind meist unbekannt. Dies war Grund genug der ehemaligen Amtsstadt, die leider im 16. Jahrhundert nach der Zerstörung ihre Bedeutung an die nahe gelegene Residenzstadt Rastatt verlor, einen Besuch abzustatten.

Gepaart mit einer kleinen Wanderung sollte diese Tour einen würdigen Abschluss für das bunte Wanderprogramm des Schwarzwaldverein Malsch bilden. Leider spielte das Wetter nicht mit, so dass sich „nur“ eine kleine Schar ortsgeschichtlich interessierter Wanderer auf den Weg machte.

Wandergruppe am Brunnen vor dem Rathaus in Kuppenheim
Wandergruppe am Brunnen vor dem Rathaus in Kuppenheim

Die genaue Gründung von Kuppenheim liegt bis heute im Dunkeln. Möglicherweise existierte bereits zur Römerzeit eine Siedlung entlang der über die Murg führenden Römerstraße. Ende des 11. Jahrhunderts gründeten die Grafen von Eberstein als Lehensinhaber des Bistums Speyer die Stadt. Sie bauten ein Schloss, das allerdings bereits im 13. Jahrhundert niederbrannte. Nach dem Übergang an die Markgrafschaft Baden wurde das wieder aufgebaute Schloss Sitz der Amtleute, bis es 1688 endgültig abgerissen wurde. Von der alten Stadtanlage ist leider nicht allzu viel erhalten. 1642 wurde Kuppenheim geplündert und 1689 bis auf ein Haus niedergebrannt. In der badischen Revolution war Kuppenheim Hauptquartier des preußischen Generals von Gröben.

Beziehungspunkte zu Malsch bilden neben dem Amt Kuppenheim zu dem der Ortsteil Waldprechtsweier gehörte auch der jüdische Friedhof, auf dem ein Großteil der jüdischen Bevölkerung Mittelbadens ihre letzte Ruhestätte fand. Zahlreiche Malscher Juden wurden hier bis ins 20. Jahrhundert beerdigt.

Ältestes Badisches Wappen
Ältestes Badisches Wappen

Unsere Stadtwanderung führte von der Murg die Friedrichstraße stadteinwärts. Hier ist noch das älteste in Stein gehauene Wappen Badens erhalten. Es zierte einst das nicht mehr erhaltene untere Tor der Stadtmauer. An eben dieser entlang erreichten wir das Schulhaus, hinter dem für das geschulte Auge die Reste des ehemaligen Hexenturms sichtbar sind. Durch die Leopoldstraße schlendernd konnte man die baulich interessante mittelalterliche Städteplanung erkennen. Noch heute sind zahlreiche auf die Stadtmauer aufgesetzte Häuser erkennbar.

Schloss Favorite
Schloss Favorite

Weiter führte die Wanderung entlang der im Park des Schlosses Favorite angelegten Forellenteiche. Hier kann noch in Ansatzpunkten die interessante Wasseranlage eines barocken Lustschlosses beobachtet werden. Hierbei wurde das Nützliche mit der barocken Gartenanlage verknüpft; spielte doch die Versorgung mit frischen Fischen eine primäre Rolle auf dem damaligen Speiseplan.

Bildstock aus dem 18. Jahrhundert
Bildstock aus dem 18. Jahrhundert

Weiter verlief die Wanderung entlang des Friedhofes mit der aus dem frühen 19. Jahrhundert stammenden Antoniuskapelle. Direkt am Friedhofseingang steht ein aus dem 18. Jahrhundert stammender Bildstock mit einer bemerkenswerten Darstellung der armen Seelen im Fegefeuer. Durch den Stadtwald und entlang des bedeutenden jüdischen Friedhofes wurde die katholische Stadtkirche Sankt Sebastian mit dem heute noch interessanten Stadtbild erreicht. Wie bereits erwähnt, musste Kuppenheim im 18. Jahrhundert nach der Zerstörung neu aufgebaut werden. Erwähnenswert sind hier vor allem das 1730 mit einem offenen Arkadengang erstellte alte Rathaus und das ehemalige heute als Apotheke dienende Pfarrhaus. Anhand der beiden Stadtbrunnen konnte sehr plastisch die mittelalterliche Wasserversorgung erläutert werden. Als krönender Abschluss besichtigten wir die katholische Pfarrkirche. Die 1868 durch einen Brand stark beschädigte Kirche wurde zwar erst von 1902 bis 1904 von Johann Schroth im Stil der Neugotik erstellt und bildet dennoch das bedeutendste Bauwerk in Kuppenheim. Von ihrer bemerkenswerten Innenausstattung sollen hier nur die Kirchenfenster und die um 1530 geschaffene spätgotische Predella erwähnt werden.

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