Stadtrundgang in Kuppenheim

Eigentlich stand auf dem Wanderplan des Schwarzwaldvereins Malsch eine Wanderung auf dem Treidelpfad bei Hoerdt in der Pfalz. Leider machte der Wettergott hier allerdings einen dicken Strich durch die Rechnung. Eine Wanderung im Regen verkraftet jeder ambitionierte Wanderer leicht. Allerdings wenn orkanartige Böen vorausgesagt werden, muss eine diesbezügliche Wanderung auch im Hinblick auf die möglichen gesundheitlichen Gefahren für eine Gruppe abgesagt werden oder es wird eine alternative Wanderung angeboten. Eine Herausforderung für jeden Wanderführer, zumal es sich um eine heimatkundliche Wanderung handelte und diese aus dem Stegreif angeboten werden musste.

Da im Januar mit dem Stadtrundgang in Gernsbach die Bedeutung des Ebersteiner Grafengeschlechts erläutert wurde, war mit Kuppenheim, ebenfalls eine Gründung der Ebersteiner, ein alternatives Ziel schnell gefunden. Leider hat die ehemalige Amtsstadt nach ihrer Zerstörung im 16. Jahrhundert ihre Bedeutung an die nahe gelegene Residenzstadt Rastatt verloren und wird deshalb - leider zu Unrecht - oftmals nicht beachtet. 

Die genaue Gründung von Kuppenheim liegt bis heute im Dunkeln. Möglicherweise existierte bereits zur Römerzeit eine Siedlung entlang der über die Murg führenden Römerstraße. Ende des 11. Jahrhunderts gründeten die Grafen von Eberstein als Lehensinhaber des Bistums Speyer die Stadt. Sie bauten ein Schloss, das allerdings bereits im 13. Jahrhundert niederbrannte. Nach dem Übergang an die Markgrafschaft Baden wurde das wieder aufgebaute Schloss Sitz der Amtleute, bis es 1688 endgültig abgerissen wurde. Von der alten Stadtanlage ist leider nicht allzu viel erhalten. 1642 wurde Kuppenheim geplündert und 1689 bis auf ein Haus niedergebrannt. In der badischen Revolution war Kuppenheim Hauptquartier des preußischen Generals von Gröben.

                

                                                           Ältestes in Stein gehauenes Wappen Badens                                                            Arme Seelen im Fegefeuer

Beziehungspunkte zu Malsch bilden neben dem Amt Kuppenheim zu dem der Ortsteil Waldprechtsweier gehörte auch der jüdische Friedhof, auf dem ein Großteil der jüdischen Bevölkerung Mittelbadens ihre letzte Ruhestätte fanden. Zahlreiche Malscher Juden wurden hier bis ins 20. Jahrhundert beerdigt. 

Unsere Stadtwanderung führte von der Murg die Friedrichstraße stadteinwärts. Hier ist noch das älteste in Stein gehauene Wappen Badens erhalten. Es zierte einst das nicht mehr erhaltene untere Tor der Stadtmauer. An eben dieser entlang erreichten wir das Schulhaus, hinter dem für das geschulte Auge die Reste des ehemaligen Hexenturms sichtbar sind. Durch die Leopoldstraße schlendernd konnte man die baulich interessante mittelalterliche Städteplanung erkennen. Noch heute sind zahlreiche auf die Stadtmauer aufgesetzte Häuser erkennbar.

       

Auf Stadtmauer aufgesetztes Haus                                                                                      Jüdischer Friedhof

Hervorgegangen aus einem ehemaligen Kloster wurde die Anlage baulich stets erweitert, um dem Druck der Habsburger stand halten zu können. Sie wurde militärisch nie erobert und während der Befreiungskriege kampflos an die Franzosen in der Hoffnung übergeben, dass die Anlage nicht zerstört wird. Dies war ein Irrglaube. Die Franzosen haben die Anlage anfangs des 19. Jahrhunderts geschliffen.

Weiter verlief die Wanderung entlang des Friedhofes mit der aus dem frühen 19. Jahrhundert stammenden Antoniuskapelle. Direkt am Friedhofseingang steht ein aus dem 18. Jahrhundert stammender Bildstock mit einer bemerkenswerten Darstellung der armen Seelen im Fegefeuer. Durch den Stadtwald und entlang des bedeutenden jüdischen Friedhofes wurde die katholische Stadtkirche Sankt Sebastian mit dem heute noch interessanten Stadtbild erreicht. Wie bereits erwähnt, musste Kuppenheim im 18. Jahrhundert nach der Zerstörung neu aufgebaut werden. Erwähnenswert sind hier vor allem das 1730 mit einem offenen Arkadengang erstellte alte Rathaus und das ehemalige heute als Apotheke dienende Pfarrhaus. Anhand der beiden Stadtbrunnen konnte sehr plastisch die mittelalterliche Wasserversorgung erläutert werden. Als krönender Abschluss besichtigten wir die katholische Pfarrkirche. Die 1868 durch einen Brand stark beschädigte Kirche wurde zwar erst von 1902 bis 1904 von Johann Schroth im Stil der Neugotik erstellt und bildet dennoch das bedeutendste Bauwerk in Kuppenheim. Von ihrer bemerkenswerten Innenausstattung sollen hier nur die Kirchenfenster und die um 1530 geschaffene spätgotische Predella erwähnt werden.

Zu unseren Wanderungen sind Gäste immer willkommen.

 

henh

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