Von Industrieriesen durch Naturschutzgebiete nach Mannheim

Das umfangreiche Repertoire der vom Schwarzwaldverein Malsch angebotenen Sonntagswanderungen reicht von der sportlichen Wanderung bis hin zu den die heimatgeschichtlichen Begebenheiten in den Vordergrund stellenden Exkursionen, denn neben den zugegebenermaßen den Schwerpunkt bildenden erholsamen bis sportlichen Wanderungen gibt es beim Schwarzwaldverein  Malsch auch Fachwarte für den Naturschutz und die Heimatpflege.

Industriebauten

Bei der oben genannten vom Fachwart für Heimatpflege durchgeführten Exkursion in die Geschichte unserer Heimat wurde als Ziel Mannheim mit seinen Vororten vorgestellt. Die Vorstellung, eine Wanderung im Stadtgebiet Mannheim durchzuführen, die neben dem Naturerlebnis auch noch weniger bekannte das historische Gesicht prägenden Gegebenheiten Mannheims zeigen, war die Herausforderung bei der Planung der Tour.

Naturschutzgebiet          Rheinaue
Naturschutzgebiet und Rheinaue

Einem Verein, der sich neben dem Wandern auch der Pflege der Natur verschrieben hat, steht nun einmal auch eine die Umwelt schonende Anreise gut zu Gesicht. Und da eine Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr von Malsch aus auch sonntags recht annehmbar ist, nahmen wir das auch wahr. Entspannt bei interessanten Gesprächen erreichten wir zügig den „Arbeiterbahnhof“ in Neckarau. Gegensätzlicher konnte der erste Eindruck zwischen einer modernen Großstadt und einer Industriesiedlung nicht sein. Der täglich von der Arbeiterschaft genutzte Bahnhof könnte leicht das Szenario eines Krimis bilden. Aber schon nach wenigen hundert Metern änderte sich das Bild schlagartig. Baulich interessante Ende des 19. Jahrhunderts entstandene Industriebauten wechselten sich mit modernen Bauwerken ab. Wir hatten das Hafengebiet von Mannheim erreicht. Entlang des beeindruckenden Kraftwerkes erreichten wir sehr schnell das Landschaftsschutzgebiet „Rheinaue“, das vor allem durch Schrebergärten geprägt ist. Hier sahen wir zum ersten Mal den Rhein, der hier mitten in Mannheim durch das Naturschutzgebiet der Reisinsel geprägt wird. Das noch im 19. Jahrhundert Fasaneninsel genannte Gebiet wurde von dem Konsul Carl Reis anfangs des 20. Jahrhunderts der Stadt Mannheim unter der Bedingung übertragen, dass das Gebiet der Öffentlichkeit jederzeit zugänglich sein muss und weiterhin den Namen des Schenkers tragen soll. Heute ist das Gebiet, das im Grunde genommen eine durch die Rheinbegradigung gebildete Rheinschlinge umfasst, ein bedeutendes Vogelschutzgebiet und kann während der Brutzeit nicht betreten werden. Wir jedenfalls wanderten durch eine ursprüngliche, teils an einen Urwald erinnernde Landschaft, vorbei an der Kuckucksinsel dem Bellengraben entlang bis zum Schloss Mannheim.

Wandergruppe        Jesuitenkirche

Wandergruppe und Jesuitenkirche

Bei dem über vierhundert Meter langen und somit einem der größten Barockschlösser in Europa wurden auch einige unbekannte Einblicke in die Geschichte Mannheims erläutert. In der hiesigen Region sind immer noch die Blumenpeter-Witze bekannt, ohne deren Herkunft zu wissen. Diese gehen auf ein Mannheimer Original zurück. Peter Schäfer, ein gebürtiger Plankstädter, der durch eine Schilddrüsenfehlfunktion behindert war, wurde von seiner Tante in Mannheim erzogen. Um seinen Lebensunterhalt mitzufinanzieren, verkaufte er in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhundert in den Lokalen Blumen. Aufgrund seiner Bauernschläue und Geschwätzigkeit  wurde er schnell ein Mannheimer Original, das leider während der Nazizeit im psychiatrischen Landeskrankenhaus verstorben ist. Ob er der Euthanasie zum Opfer fiel, ist nicht geklärt. Ihm wurde jedenfalls in Mannheim ein Denkmal gesetzt und durch die Veröffentlichung „Kaaf mer ebbes ab“ wurde er zumindest in der lokalhistorischen Erinnerung verewigt.

Ein weiteres dunkles Kapitel von Mannheim ist die Tatsache, dass dort der Sitz des Sondergerichts Mannheim war. Sehr viele politische Urteile, worunter auch einige Malscher Schicksale waren, und einige Todesurteile, bei denen heutzutage höchstens ein paar Monate Gefängnis verhängt würden, bilden das Szenario dieses Gerichts. Die bereits ab der Machtergreifung verhängten Urteile bilden einen Brückenschlag von der judikativen Zerschlagung Andersdenkender bis hin zur innenpolitischen und wirtschaftlichen Sicherung des Krieges. Die Grausamkeiten der Rechtsprechung wurden an einigen besonders schrecklichen Urteilen erläutert.  

Den Abschluss der Wanderung bildete die Besichtigung der barocken aus der Mitte des 18. Jahrhundert stammenden Jesuitenkirche.

Das Wanderprogramm des Schwarzwaldvereins Malsch wird durch die örtliche Presse bekannt gegeben bzw. kann unter der Homepage www.schwarzwaldverein-malsch.de eingesehen werden. Über teilnehmende Gäste freuen wir uns bei unseren Wanderungen jederzeit

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henh

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