Rückblick auf die Wandertage am Edersee

 
Wandern und Kultur passt eigentlich nicht zusammen. Der Wanderer sehnt sich nach stillen Wäldern, tiefen Seen usw. Da passt Kultur nicht dazu: Wirklich nicht? Dass dieses Klischee nicht immer zutrifft, bewies der Schwarzwaldverein Malsch bei seinen letzten Wandertagen nach Nordhessen.

Die Voraussetzungen der urwaldähnlichen Landschaft um den Ederstausee boten für Wanderungen optimale Voraussetzungen. Dass der Stausee in diesem Jahr sein hundertjähriges Bestehen feiert und dass vor allem von Fritzlar aus – unter Bonifatius- die Christianisierung Süddeutschlands ausging, waren kulturhistorische Highlights. Jetzt mussten die beiden Extreme nur noch „zusammengebracht werden“. Zugegeben eine nicht leichte Aufgabe und am Ende waren die Wanderer über die unvergesslichen Wander-Kultur-Tage überaus überrascht.

Wanderer und Rotkäppchendarsteller
Wanderer und Rotkäppchendarsteller

Schon bei der Hinfahrt nach Fritzlar stand mit einer Märchenführung in Alsfeld ein Leckerbissen ganz besonderer Art auf dem Programm. Die Schwalmer Tracht, die in Alsfeld noch lebendig ist, beinhaltet eine rote Haube. Aus diesem Umstand und der Tatsache, dass sich die Gebrüder Grimm öfters in und um Alsfeld aufhielten, entwickelte sich der Anspruch der Stadt, die Rotkäppchenstadt zu sein. Warum also keine Märchenführung, bei der neben den baulichen Besonderheiten auch hier und da bei einem unterhaltsamen Spaziergang mit den Gebrüdern Grimm szenische Darstellungen des Märchens geboten wurden. Das aus den Hessenumzügen bekannte steinerne Rathaus und die danebenliegende kunsthistorisch bedeutende Kirche bekamen zwar die ihnen gebürtige Beachtung, aber im Mittelpunkt stand trotzdem die Märchenführung.

Nach dem Mittagessen in unserem Hotel in Ungedanken bei Fritzlar startete die Exkursion auf den Spuren von Bonifatius. Dieser hat nach der mündlichen Überlieferung bei Fritzlar (genauer gesagt dem Ortsteil Geismar) im 8. Jahrhundert die Donar-Eiche, ein Heiligtum der dort ansässigen Chatten, gefällt. Aus der Eiche hat er die erste christliche Kirche erbaut. Dies alles geschah in der Nähe des Büraberges einer fränkischen Wehrsiedlung mit Bischofssitz. Wir also wanderten auf den Büraberg, wo wir die alten Reste dieses Bischofssitzes – vor allem die St. Brigidakapelle und das Südtor - bestaunen konnten. Im Anschluss besuchten wir Fritzlar mit seinem romantischen Marktplatz und der heute noch sichtbaren Stadtbefestigung.

Ederstausee
Der Ederstausee

Am zweiten Tag besuchten wir den einhundert Jahre alten Ederstausee. Dieser gehört zu den größten Stauseen in Deutschland. Bei seiner Erbauung fielen immerhin drei Ortschaften den Fluten zum Opfer. Traurige Berühmtheit erlangte er durch den furchtbaren Luftangriff im zweiten Weltkrieg, der die Staumauer zerstörte und zahlreiche Menschenleben kostete. Unser Tag bestand in einer romantischen Wanderung auf einem Teil des Urwaldsteiges, die eigentümliche Natureindrücke gepaart mit imposanten Ausblicken auf den See bot. Als nicht geplantes Sahnehäubchen erwies sich der Besuch der alten Residenz der Grafen von Waldeck. Eine imposante Burganlage mit einem eindrucksvollen Museum war der Lohn des kurzen Anstiegs. Am Nachmittag bestaunten wir bei einer fast zweistündigen Schifffahrt die andere Schönheit der Landschaft. Bei einer gemächlichen Fahrt auf dem See zeigte sich die Burg Waldeck von einer beeindruckend sanften Seite.

Staumauer
Die Staumauer

Der dritte Tag brachte uns zu der neuen Residenz der Grafen von Waldeck. Arolsen, das den meisten als Kurstadt bekannt sein dürfte, war unser Ziel. Bad Arolsen hat nicht nur ein planmäßig errichtetes Schloss und Verwaltungsanlage, sondern ist auch Sitz des Internationalen Suchdienstes. Das Schicksal tausender verschleppter, in Konzentrationslagern umgekommener Menschen ist dort dokumentiert. Unser Interesse aber galt der neuen barocken Residenz der Grafen von Waldeck. Bei einer Schlossführung zeigte sich das repräsentative Gebäude, das auch heute noch teilweise von dem Adelsgeschlecht genutzt wird, von seiner barocken historischen Schönheit. Am Nachmittag erwanderten wir die Naturidylle um den Twistestausee mit seinem futuristisch anmutenden im See gelegenen Cafe.

Residenzschloss Bad Arolsen
Residenzschloß Bad Arolsen

Am letzten Tag besuchten wir die mondäne Kurstadt Bad Wildungen. Das Städtchen erreichte ausgangs des 18. Jahrhunderts den Status eines Bades von europäischem Rang. Unser Interesse aber galt der mittelalterlichen Stadt, von der hauptsächlich die evangelische aus dem 14. Jahrhundert stammende Hallenkirche mit ihrem weltberühmten Flügelaltar von Conrad von Soest zu nennen ist. Nach einem gemeinsamen Mittagessen traten wir mit vielen positiven Eindrücken die Heimreise an.

Für das nächste Jahr sind Wandertage in den bayrischen Spessart geplant. Hier bietet sich eine Tour unter dem Motto „Auf den Spuren der Spessarträuber“ an, da im Schloss Mespelbrunn mehrere Szenen des Filmklassikers „Die Räuber im Spessart“ mit Liselotte Pulver in der Hauptrolle gedreht wurden.

Hennhöfer

© SCHWARZWALDVEREIN MALSCH e.V.