Rückblick auf die Wanderung im deutsch-französischen Grenzgebiet, am 27.08.17

Eigentlich stand der Besuch der ehemaligen schwäbischen Festung Hohentwiel auf dem Wanderprogramm. Aber durch die Vollsperrung der Rheintalstrecke wäre dieses Vorhaben nur mit einem größeren Zeitaufwand bei der An- und Abreise realisierbar gewesen. Für eine Wandergruppe, die die geplante Wanderung nicht im Eiltempo ablaufen möchte, wäre dies mehr als unakzeptabel gewesen. Aus diesem Grund musste eine adäquate Wanderung in kurzer Zeit vernünftig geplant werden. Keine leichte Aufgabe für die beiden Wanderführer Milo Sekulic und Manfred Hennhöfer, stand doch eine heimatkundliche Wanderung auf dem Programm, bei der neben der landschaftlichen Schönheit auch Einblicke in die nähere Heimatgeschichte gegeben werden sollten. Warum also nicht eine Exkursion in das deutsch-französische Grenzgebiet bei Schönau in der Pfalz, dem sogenannten Wasgau, zu unternehmen. Den Wasgau bilden die nördlichen Ausläufer der Vogesen sowie die Südausläufer des Pfälzer Waldes. Allerdings hat er seine Bedeutung durch die vielen Felsenburgen erhalten. Neben der bekannten Ruine Fleckenstein sind hier zahlreiche Relikte des Mittelalters vorhanden. Und genau drei von Ihnen galt unser Interesse, nämlich den Ruinen Zigeunerfelsen, Wasigenstein und Blumenstein.

Wandergruppe        Aufstieg zum Zigeunerfelsen

                           Wandergruppe                                                                                        Aufstieg zum Zigeunerfelsen

Die rund 13 Kilometer lange Rundtour startete in Schönau in der Pfalz. Entlang des Saarbachs waren einige angenehme Kilometer zu wandern, ehe es die vier Burgen (Wasigenstein ist eine Doppelburg) mit etwa 350 Höhenmetern zu erzwingen galt. Der Saarbach, der im Elsass zum Fluss Sauer wird, hat schon eine eigentümliche Namensgebung. Früher hieß er zwar Sauerbach, allerdings als im 18. Jahrhundert die bayrische Landesbeschreibung die königlich bayrischen Landesteile vermessen und benannt hat, änderte er seinen Namen. Die damals zu Bayern gehörende Vorderpfalz  wurde durch Beamte aus dem tiefsten Bayern vermessen und die deuteten den pfälzischen Dialekt eben als Saarbach. Entlang des Hichtenbach passierten wir die deutsch französische Grenze und erreichten mit dem Zigeunerfelsen unseren ersten Höhepunkt der Tour. Der Zigeunerfelsen gilt bei einigen Heimatforschern als Vorburg zum circa zwei Kilometer entfernten Wasigenstein. Belegt ist diese Annahme zwar nicht, aber viele Spuren am Felsen deuten darauf hin. Bei einer abenteuerlichen Besteigung dieses Felsens konnten wir die eigentümliche Bauweise erforschen.

Burgruine Wasigenstein        Burgruine Blumenstein Aufstieg        Burgruine Blumenstein innen

Burgruine Wasigenstein                                                    Burgruine Blumenstein Aufstieg                                                      Burgruine Blumenstein innen

Zwei Kilometer weiter erwartete uns der Höhepunkt der Wandertour – der Wasigenstein, eine Burganlage, die neben der Ruine Fleckenstein die wohl bekannteste Anlage im Wasgau darstellt. Die Doppelburg, deren ältesten Bauteile aus dem frühen 13. Jahrhundert stammen, wurde 1299 auf einem weiteren Bergsporn erweitert. Sie hatte im Laufe der Jahrhunderte mehrere Besitzer und war zum größten Teil eine Ganerbenburg (d.h. mehrere Familien hatten gleichzeitig Besitzungen in der Burg). Aber was ist der Anblick eines so gewaltigen Felsbrockens im Vergleich zu der Geschichte. Die Besteigung der Ruine, die teilweise durch das Innere des Felsens führte, raubte einem nicht nur den Atem beim Aufstieg sondern hatte auch ein unbeschreibliches Erlebnisgefühl. Nach der ausführlichen Besichtigung führte uns der Weg zu einer weiteren Felsenburg – dem Blumenstein. Die Anlage stammt ebenfalls aus dem 12. Jahrhundert und ist an und für sich eine bedeutende Anlage. Leider lässt sich bei einer Wanderung die Bedeutung der Bauwerke nicht beliebig variieren. So war das Interesse der Wandergruppe zwar bei der Besteigung der Anlage vorhanden; aber nach dem Wasigenstein doch deutlich abgeschwächt. Trotzdem kann der Blumenstein eine Reihe von bedeutenden Bauelementen aufweisen.

Nach Schönau zurückgekehrt konnten wir bei einer verdienten Rast in einem beschaulichen pfälzer Lokal die Wanderung Revue passieren lassen.

henh

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