Wandertage im Spessart

Wer sich ehrlich hinterfragt, welche reizenden und kulturell interessanten Landschaften es in einem Umkreis von ein- bis zweihundert Kilometer von unserem Heimatort gibt, muss sich oft eingestehen, dass das Wissen darüber nicht allzu groß ist. Sicher Städte in einigen tausend Kilometer Entfernung kennt man, nach dem Spessart mit seinem Eingangsportal der Stadt Aschaffenburg gefragt, fällt oft die Antwort: „Da bin ich schon einmal daran vorbeigefahren“. Der Schwarzwaldverein Malsch stellt sich aus diesem Grund das Ziel, diese Landschaften mit ihren reizenden Städtchen, Schlössern und Kirchen zu erwandern und den kulturellen Stätten einen intensiven Besuch zu widmen. Zeigt sich doch durch die große Akzeptanz, dass sich gerade dieses Konzept einer steigenden Beliebtheit erfreuen darf.

Mit einer für Wanderungen eigentlich zu großen Gruppe machte sich die Ortsgruppe Malsch auf den Weg, die schöne und kulturreiche Spessartlandschaft zu erkunden. Die doch recht unterschiedlichen Leistungsgrenzen der Wandergruppe in einem interessanten Rahmenprogramm zu vereinen, erforderte schon eine größere Vorplanung; sollten doch Führungen und Wanderungen immer wieder an gemeinsamen Punkten beginnen oder enden, um auch den „Nichtwanderern“ die Möglichkeit zu geben, an den interessanten Führungen und Besichtigungen teilzunehmen.

Wandergruppe

Den Auftakt der Wandertage stellte die Besichtigung der ehemaligen Benediktinerabtei Amorbach dar. Das Kloster Amorbach, dessen Anfänge im Dunkeln liegen, kann auf eine lange geschichtliche Tradition zurückblicken. Vermutlich im 8. Jahrhundert gegründet führte sein Weg über eine Reichsabtei bis hin zu einer fürstlichen Residenzstadt. Nach der Säkularisation im Jahre 1803 wählte das Fürstenhaus Leiningen wohl aufgrund der recht geräumigen Anlage die leer stehende Klosteranlage als neue Residenz. Die ehemalige katholische Klosterkirche dient seither als evangelische Kirche. Bei einer Führung konnten wir die weitläufige Anlage mit ihren beiden bedeutendsten Räumen, dem grünen Saal und der barocken Abteikirche mit ihrer beeindruckenden Innenausstattung besichtigen.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen wanderten wir auf verschlungenen Pfaden zu der auf einer einhundert Höhenmeter über der Stadt thronenden Gotthardsruine. Die dreischiffige Pfeilerbasilika entstand aus einer Burg, dessen Kapelle dem heiligen Godehard geweiht war. Nach und nach verkam das Anwesen zu einer Raubritterburg, die unter Barbarossa zerstört wurde. Nach Gründung eines Benediktinerinnenklosters und dessen Zerstörung im Bauernkrieg wurde die Klosterkirche erneut wieder aufgebaut bevor sie im 18. Jahrhundert durch einen Blitzschlag endgültig zerstört wurde. Von dem ehemaligen Kirchturm aus genießt der Wanderer einen herrlichen Rundblick auf Amorbach und den bayrischen Odenwald. Nach dieser Wandereinlage fuhren wir nun endgültig in den Spessart zu unserem Hotel in Heimbuchenthal.

Der nächste Tag widmete sich Aschaffenburg, dem Portal zum Spessart. Bei einer kleinen Stadtwanderung versuchten wir die „wichtigsten“ Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Ganz oben auf der Liste der unbedingt zu besuchenden Attraktionen steht natürlich das Wahrzeichen der Stadt -das zu den bedeutendsten Renaissancebauten nördlich der Alpen zählende Schloss Johannisburg. Es beherbergt eine Reihe von interessanten Museen, von denen hier nur das Korkmuseum mit seiner bedeutenden Sammlung von aus Kork nachgebauten Bauwerken aus ganz Europa erwähnt werden soll. Ebenso unzertrennlich mit Aschaffenburg verbunden ist das Pompejanum. Angeregt durch die Ausgrabungen in Pompeji ließ König Ludwig I. von Bayern 1840-1848 diese Idealrekonstruktion eines römischen Wohnhauses errichten. Die aus dem 10. Jahrhundert stammende Stiftskirche St. Peter und Alexander mit ihren bedeutenden Innenausstattung, von der nur das hölzerne Kruzifix aus der Gründungszeit genannt werden soll, war ein weiterer Höhepunkt des Stadtrundgangs. Nach dem individuellen Mittagessen stand am Nachmittag eine Halbtageswanderung rund um Aschaffenburg auf dem Programm. Das Ziel der Halbtageswanderung war die Schweinheimer Passion. Der heutige Aschaffenburger Stadtteil Schweinheim war in den Nachkriegsjahren das Zentrum der im dortigen Bereich auch infolge des aufkommenden Tourismus inszenierten Passionsspiele. Man ließ auf den Spessarthöhen als sichtbares Zeichen dieser Spiele und als Mahnmal für den vergangenen Weltkrieg auf dem Höhenrücken, von wo aus Aschaffenburg im Frühjahr 1945 beschossen worden war, drei Kreuze –die sogenannte Schweinheimer Passion- aufstellen. Neben diesen geschichtlichen Erinnerungen zeigte die Wanderung auch unvergessliche Ausblicke auf die umherliegenden Spessarthöhen.

Spessarträuber

Am nächsten Tag empfingen uns nach einer kurzen Wanderung rund um Heimbuchenthal vor unserem Hotel zwei Pferdegespanne, mit denen wir eine Planwagenfahrt über die Höhenrücken auf das Hohe-Wart-Haus - einer ehemaligen Postkutschenstation und heutigem Ausflugslokal - unternahmen. Ob dort in der Nähe das berühmte, in der Märchenerzählung von Wilhelm Hauff vorkommende  „Wirtshaus im Spessart“ gestanden hatte, ist rein spekulativ. Wir jedenfalls freuten uns auf das bekannte Ausflugslokal mit der Aussicht auf eine angenehme Kaffeepause. Doch als wir die Höhen erklungen hatten, peitschte ein Schuss durch die Landschaft und wagemutige Gesellen stoppten jäh unsere Planwagen. Es gab kein Zweifel, wir waren den Räubern vom Spessart in die Hände gefallen. Eine ortsansässige Komödiantengruppe zog in der nächsten Stunde alle Strippen ihres Könnens und bot Ausschnitte ihres Schauspiels dar, das in unregelmäßigen Zeitabständen in Mespelbrunn aufgeführt wird. Welch schaurig schöne Variante des Spessarts konnten wir an diesem Tag mit nach Hause nehmen.

Wasserschloss Mespelbrunn

Am letzten Tag besuchten wir das Wasserschloss in Mespelbrunn, das aufgrund der Außenaufnahmen zum Film  „Das Wirtshaus im Spessart“ mit Liselotte Pulver in der Hauptrolle nicht nur regionale Berühmtheit erlangt hat.

Nach der Besichtigung traten wir mit vielen neuen Eindrücken die Rückreise an. Auch im nächsten Jahr werden neben einem interessanten Jahresprogramm erneut Wandertage durchgeführt. Die Wanderungen, zu denen immer Gäste willkommen sind, werden rechtzeitig in der örtlichen Presse bekannt gegeben oder besuchen Sie uns auf unserer Homepage unter www.schwarzwaldverein-malsch.de.

henh

© SCHWARZWALDVEREIN MALSCH e.V.