Grenzüberschreitender Stadtrundgang in Weißenburg

Es ist seit einigen Jahren Usus beim Schwarzwaldverein Malsch neben den rein der Wanderlust frönenden Touren auch heimatgeschichtliche Wanderungen in die nähere Umgebung anzubieten. Wenn sich gegen Ende des Wanderjahres im November die Wetterlage für eine Wanderung immer mehr verschlechtert und durch das Ende der Sommerzeit auch die Wanderzeiten erheblich verkürzt werden müssen, bieten sich Stadtrundgänge an. Und wenn man die Exkursion noch mit heimatgeschichtlichen Fakten verbinden möchte, ist hierfür Wissembourg im Elsass hervorragend geeignet, gehörte doch Malsch schon vor 1065 zum dortigen Kloster, von dem es die Markgrafen von Baden im 13. Jahrhundert zu Lehen trugen. Ebenfalls mit dem Kloster eng verbunden war der zwischen Markpassage und Kirchplatz gelegene Weißenburger Hof in Ettlingen, der für die Verwaltung der Klostergüter im diesseitigen Bereich zuständig war.

St. Peter u. Paul Wandergruppe

St. Peter und Paul                                                                                            Wandergruppe

Da wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisten, begannen wir unsere Stadtführung am Bahnhof in Wissembourg. Die Stadt ging aus einer im 7. Jahrhundert gegründeten Benediktinerabtei hervor. Im Kloster verfasste der Mönch Otfried im 9. Jahrhundert eine fünf Bücher umfassende Evangelienharmonie, die für die deutsche Dichtung wegweisend war. Die Stadt selbst entwickelte sich erst später um die auf einer Insel der Lauter liegende Abtei. Diese Entwicklung konnten wir anhand der noch vorhandenen mittelalterlichen Stadtbefestigung nachvollziehen. Wissembourg wurde zu einem geistigen Zentrum und zählte zu den zehn elsässischen Reichsstädten.

Bürgerhäuser Deutsches Weintor

Bürgerhäuser entlang der Lauter                                                                        Deutsches Weintor in Schweigen

Zu den herausragendsten Bauwerken im Stadtzentrum gehört sicher das 1450 als Hospital errichtete Salzhaus (Maison du Sel) mit seinen pittoresken Dachgauben. Nicht minder interessant ist die ehemalige Zehntscheuer des Klosters sowie das im 18. Jahrhundert durch den Baumeister des Bistums Straßburg, Joseph Massol, errichtete Rathaus. Der Höhepunkt einer Stadtbesichtigung bildet natürlich die neben der Straßburger Kathedrale zweitgrößte Hallenkirche im Elsass, St. Peter und Paul, mit ihrem unvollendeten Kreuzgang. Neben den berühmten Glasfenstern ist hauptsächlich das 10 Meter hohe Fresko des heiligen Christophorus zu nennen.

Entlang der Lauter an wunderschönen Bürgerhäusern entlang wanderten wir durch Weinberge zu der einzig noch erhaltenen, von ehemals vier der Stadtbefestigung dienenden Burgen Chateau St. Paul zum Weintor nach Schweigen. Dort legten wir in einer sehr urigen Wirtschaft "Elwetritsch" unsere wohl verdiente Ruhepause ein. Bei Pfälzer Spezialitäten und natürlich dem pfälzischen Lebenstrunk - dem Wein - liesen wir den interessanten Wandertag bei angenehmen Gesprächen ausklingen, ehe wir noch an einem Denkmal vorbei, das an den deutsch französischen Krieg 1870/71 erinnert, wieder den Bahnhof erreichten.

Zu unseren Wanderungen sind Gäste immer willkommen.

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