Auf den Spuren des Bärbele von Malsch

Die Ortsgruppe des Schwarzwaldvereins führt schon seit einiger Zeit interessante heimatgeschichtliche Wanderungen, bei denen immer Gäste recht herzlich willkommen sind, durch. Neben dem Wanderprogramm, das sich vor allem einer sinnvollen, sportfördernden und spaßbegleitenden Freizeitbeschäftigung widmet, sollen die heimatkundlichen Touren einer Erkundung des Kultur- und Naturraumes am Oberrhein dienen.

Gelegenheit für eine diesbezügliche Tour stellte der Besuch unserer Wanderfreunde aus Ingwiller dar, bei denen wir im letzten Jahr –geführt durch den dortigen Bürgermeister- eine interessante Besichtigung von Ingwiller, die übrigens noch eine das „tausendjährige Reich“ überlebende Synagoge besitzen, erleben durften. In Malsch existierte zwar auch ein rituelles Frauenbad, das allerdings durch die menschenverachtenden Maßnahmen des nationalsozialistischen Deutschland zerstört worden ist.

Was konnten wir unseren Gästen an historischen Begebenheiten zeigen, wenn wir nicht schon wieder unsere mittelalterliche Burg präsentieren wollten. Gewiss gibt es eine Stadtmühle und die Peterskapelle auf dem Friedhof mit ihrem aus dem 12. Jahrhundert stammenden Tympanon. Dies konnten und wollten wir an einem Sonntagmorgen nicht in eine Wanderung einfließen lassen. Und dennoch fanden in Malsch einige geschichtliche Höhepunkte statt, die auch unsere französischen Freunde interessieren dürften.

Gleich unterhalb des Schwimmbades stehen noch einige Maulbeerbäume. Diese gehen auf eine hochinteressante Wirtschaftsgeschichte zurück, die in ihren Einzelheiten bis jetzt noch nicht erforscht sind. In Waldprechtsweier erwarb um die dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts ein Industrieller namens Brenneisen die Mahlmühle, die heute im Besitz der Familie Baumann ist. Dieser Brenneisen war eine schillernde Persönlichkeit. In ganz Europa herumgekommen, seine Kinder wurden z. B. in Mailand und Rom geboren, wollte er in unsere Gegend eine Raupenzucht etablieren. Mit der Genehmigung der großherzoglichen Verwaltung wurden mehrere Maulbeerbäume gepflanzt. Die Raupen sollten durch die Malscher Schulkinder eingesammelt werden. Das Unternehmen ging schief und Brenneisen versuchte stark verschuldet in den Ruinen des Klosters Allerheiligen eine Tuchfabrikation aufzuziehen.

Weiter ging unsere Wanderung über die Rosen- zur Römerstraße, wo heute noch das Haus, in dem einst eine Apotheke war, steht. Dieses Haus spielte in den Wirren der badischen Revolution eine gewisse Rolle.  Als die badische Truppen am 25.06.1849 bei Durlach geschlagen wurden, zogen sie sich mit der Bundesfestung Rastatt im Rücken an die Murg zurück. Sie versuchten eine starke Verteidigungslinie unter dem Schutz der Bundesfestung aufzubauen. Eben dieses Haus an der Römerstraße in Malsch sollte jetzt den Preußen als Hauptquartier dienen. Es lag weit genug von der vermeintlichen starken Befestigungslinie der badischen Truppen entfernt und doch nahe genug an der Kampflinie, so dass die taktischen Maßnahmen zeitnah umgesetzt werden konnten. Am 29. Juni 1849 überschritten die Preußen bei Gernsbach unter verlustreichen Gefechten die Murg. Die badischen Revolutionstruppen erlebten hierbei einen rabenschwarzen Tag, von dem sie sich nicht wieder erholen konnten. Nach diesen Kämpen hatte das Hauptquartier der Preußen in Malsch seine Bedeutung verloren.

Haus Köhlreuter
Das Haus des Apothekers Wilhelm Köhlreuter

Aber einen ganz besonderen Bereich sollte die Schlacht von Malsch einnehmen, bei der sich im 1. Koalitionskrieg, der infolge der „französischen Revolution“ ausgebrochen war, die österreichischen und französischen Truppen in unserer Gegend gegenüberstanden. Am 9. Juli 1796 kam es zum Kampf.  Die österreichischen Truppen standen auf einer Linie zwischen Muggensturm, Malsch und Waldprechtsweier, die französischen auf der Linie Bietigheim – Muggensturm – Malsch. Malsch wurde mehrmals von beiden Seiten eingenommen. Nach dem Eintreffen österreichischer Verstärkungen zogen sich die französischen Einheiten zurück. Die Kämpfe müssen grausam gewesen sein, denn Tage nach den Kampfhandlungen wurden noch tote Soldaten geborgen. Noch in diesem Jahrhundert sind bei Baumaßnahmen Knochen gefunden worden, die nachweislich auf die Schlacht von Malsch zurückgehen.

Weiter führte uns unsere Wanderung an die untere Glasbachhütte. Dort wurde die Geschichte des „Bärbele von Malsch“ vorgelesen. Welcher Einheimische kennt nicht die Geschichte des armen Bärbele, das von Wölfen zerfleischt und gefressen wurde. Aber wie staunten die Zuhörer doch, als sie erfuhren, dass diese Sage auf eine wahre Begebenheit zurückzuführen ist. Im Winter des Jahres 1637/38, während des dreißigjährigen Krieges, als wieder einmal eine plündernde Schar Soldaten Malsch heimsuchte, flohen die Menschen in den schützenden Bergwald. Alte Akten erzählen folgende Begebenheit: Bei einem Malscher namens Wernhard war die Tochter des verstorbenen Hans Mohren in Kost gewesen. Er war der Pfleger dieses Mädchens, das etwa 12 oder 13 Jahre alt war. Als sie an einem Tag vor den Soldaten flüchteten,  war dieses Mädchen allein zu Hause geblieben. Nach einigen Tagen wollte sie infolge großen Hungers ebenfalls in den Bergwald gehen. Das Schicksal des Mädchens wurde nie geklärt, da aber einige Kleidungsstücke gefunden wurden, ging man davon aus, dass es von den Wölfen gefressen worden war.

Nach dieser Interpretation der Malscher Sage konnten wir unsere Wanderung zusammen mit unseren Gästen aus Ingwiller im Wanderheim bei einem gemütlichen Beisammensein ausklingen lassen.

Wandergruppe mit Freunden aus Ingwiller
Die Malscher Wandergruppe mit den Freunden aus Ingwiller

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