Wanderung in den Hardtwald unter dem Motto
„Und Interessantes liegt so nah“

Unsere letzte Winterwanderung führte unter der fachkundigen Führung unseres Wanderführers Herbert Rull in den Ettlinger und Karlsruher Hardtwald. Wer kennt das Waldstück nicht, das sich zwischen dem Runden Plom an der B 3 und dem Gut Scheibenhardt erstreckt. Die meisten kennen dieses Waldstück nur vom Auto aus bei einer Fahrt nach Karlsruhe. Aber gerade dieser Flecken hat kulturell einiges zu bieten. Dieses galt es bei unserer Sonntagswanderung am 15. Februar 2009 zu entdecken.

Als erste Station waren wir am Malscher Landgraben angekommen, der uns ein großes Stück in wechselnder Nähe begleitete. Der Malscher Landgraben entsteht bekanntlich aus dem Lindenhardterwegbach, der seine Wurzeln unter der Adlerkreuzung in Malsch hat. Dort teilt sich der von Waldprechtsweier herkommende Bach in den Federbach und den späteren Malscher Landgraben. Der Landgraben nimmt in seinem weiteren Verlauf viele Bäche der Vorbergzone auf. Er ist fast durchgehend offen und führt kein Abwasser. Der Malscher Landgraben fließt von Ettlingen an der Ettlinger Linie und dem Gut Scheibenhardt vorbei nach Bulach, dort parallel zur Landgrabenstraße. Er mündet in der Günther-Klotz Anlage in die Alb. Ab Ettlingen darf er sich zu den ältesten Wasserbauwerken unserer Gegend zählen. Sein Baubeginn dürfte in das Jahr 1588 fallen. Zu seinen Hauptaufgaben zählte damals die Entwässerung der Niederzone. Später kamen kriegerische, vor allem Verteidigungsmaßnahmen im Bereich der Ettlinger Linien hinzu. 

Die Ettlinger Linien waren vom Rhein bis nach Dobel-Eyachmühle reichende Abwehrstellungen, die ab 1707 im Spanischen Erbfolgekrieg zur Verteidigung gegen die französische Armee errichtet wurden. Ihr Verlauf war vom Rhein über Daxlanden, Knielingen, Mühlburg, Ettlingen und Schöllbronn. Dort wurde – wie heute noch belegt werden kann - eine Redoute am 4. Mai 1734 von einer französischen Kolonne während einer Gewitternacht durchbrochen.  

 

Graben der Ettlinger Linie 
Graben der Ettlinger Linie aus dem 18. Jahrhundert 

Die Ettlinger Linie gliederte sich in einen Wall und zahlreiche sogenannte Redouten. Diese Redouten waren nichts anderes als erhobene Stellungen, in denen sich eine Kanone befand. Vor dem Wall war ein ca. 8 Meter ausgehobener Graben, der zudem noch mit Holzpfählen, die wie Spieße in die Erde gerammt waren, gesichert wurde. Des weiteren waren an verschiedenen Stellen Wasserwehre vorhanden, die mit Hilfe des Malscher Landgrabens die Gegend unter Wasser setzen konnten. Die Ettlinger Linien sind für das geübte Auge besonders in dem von uns bewanderten Waldstück noch heute sichtbar.

 

Gut Scheibenhardt

Gut Scheibenhardt

Gut Scheibenhardt

Gut Scheibenhardt

Der nächste Höhepunkt dieser Wanderung bildete das Hofgut Scheibenhardt. Heute befinden sich im Schloss die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, auf dem umgebenden Gelände ein Golfplatz. Das Schloss wurde ab 1698 unter Franziska Sibylla Augusta von den bekannten Baumeistern Domenico Egidio Rossi, Johann Michael Rohrer und Franz Ignaz Kromer als Jagdschloss ausgebaut. Es handelt sich um einen dreigeschossigen Bau mit einem zentralen Saal, der über Freitreppen mit einer Gartenanlage verbunden ist. Im Krieg gegen Frankreich (1701-1714) wurde Scheibenhardt in die Verteidigungslinien einbezogen. Es ist von einem niedrigen ringförmigen Wall und Graben umgeben. Der Platz wurde erstmals 1150 als eine Grangie des Klosters Herrenalb erwähnt. 1501 gelangte es in badischen Besitz. 

Den Abschluss der Wanderung durften wir bei einem gepflegten Bier im „Alten Bahnhof“ Malsch genießen.

Henh/RW

© SCHWARZWALDVEREIN MALSCH e.V.