Wanderung auf die Hornisgrinde

Der nördliche Schwarzwald ist nicht nur für Fremde eine interessante Region; nein auch die Einheimischen können bei einer Wanderung interessante Einblicke in die Ökologie und die Geschichte dieser Landschaft gewinnen. Als Wanderregion ist der nördliche Schwarzwald sehr gut erschlossen; jedoch fahren die Meisten – gerade wegen dieser Erschließung - an den interessanten Punkten vorbei. Die Schwarzwaldhochstraße erlaubt jedem, Schwarzwaldluft bzw. die grandiosen Ausblicke ohne Anstrengung zu genießen. Aber auch ohne schweißtreibenden Anstieg können interessante Touren gewählt werden. Gerhard Jung, ein guter Kenner der Berglandschaft rund um Baden-Baden hatte am 31. Juli 2011 eine mittelmäßig anstrengende Tour mit einer Länge von 10 Kilometern und einem Höhenunterschied von 200 Metern herausgesucht, die uns zu der höchsten Erhebung des nördlichen Schwarzwaldes – der sagenumwobenen Hornisgrinde - bringen sollte.

Startpunkt dieser Tour war der Parkplatz von dem Gasthaus „Hochkopf-Stube“  in Untersmatt. Übrigens liegt die Hornisgrinde auf der Linie, die die Sprachgrenze zwischen der alemannischen (suebischen) und fränkischen Sprache darstellt. Dies näher zu erläutern wäre sicher eine eigene dafür inszenierte Wanderung wert. Die Namensgebung für den langgestreckten Bergrücken ist nicht eindeutig geklärt. Es gibt neben einigen Vermutungen zwei Varianten, die für die Namensgebung am wahrscheinlichsten stehen. Vermutlich leitet sich der Name vom lateinischen mons grinto ab, was so viel wie sumpfiger Kopf bedeutet. Eine andere Deutung des Namens könnte eine Ableitung der alten Begriffe miss und grind sein, was so viel wie kahler Bergrücken, der auf seiner Höhe ein Moor trägt, bedeutet. Auf jeden Fall ist die Hornisgrinde mit 1.164 Meter höchster Berg des nördlichen Schwarzwaldes.

Noch eine interessante Begebenheit machte die Hornisgrinde in unseren Breiten berühmt. Sie war seit dem Jahr 1938 militärisches Sperrgebiet. Ab 1942 von der Deutschen Luftwaffe als Flugabwehrstellung genutzt, übernahmen 1945 die französischen Luftstreitkräfte den Standort. Diese betrieben auf der Hornisgrinde eine Abhörstation im Auftrag des französischen Auslandsgeheimdienstes. Später kamen als weitere Nutzer die Bundeswehr und die Nato hinzu. 1997 wurde das Sperrgebiet aufgegeben. Das Gebiet wird von den Anrainergemeinden heute touristisch als Wandergebiet genutzt.

Wanderer am Dreifürstenstein
Der Wanderführer Gerhard Jung bei interessanten Erklärungen auf dem Dreifürstenstein

Unsere Wanderung führte an dem 206 m hohen, 1971/72 in Stahlbetonbauweise errichteten Sendeturm des Südwestrundfunkes vorbei.

Windpark auf der Hornisgrinde
Der Windpark auf der Hornisgrinde 

Schnell war danach der Windpark mit seinen Windkrafträdern erreicht und einige Minuten später standen wir vor dem ehemaligen Signalturm, auch Bismarckturm genannt. 1892 mit einer Treppe versehen stand er jedoch seit 1938 im Sperrgebiet und dient heute wieder als Aussichtsturm.

Bismarckturm
Bismarckturm

Durch das einmalige Hochmoorgebiet, das übrigens gut ausgeschildert mit sehr vielen Informationstafeln kinderfreundlich die Entstehung eines Hochmoores erklärt, erreichten wird den Dreifürstenstein. Diese Buntsandsteinplatte stellt eine echte geschichtliche Rarität dar und ist leider in großen Kreisen der Bevölkerung unbekannt. Auf der Steinplatte stammt ein aus dem Jahr 1722 markierter Grenzpunkt. Dieser markierte die Grenze zwischen der Markgrafschaft Baden (das Großherzogtum Baden existierte zu diesem Zeitpunkt noch nicht), dem Herzogtum Württemberg und dem Fürstbistum Straßburg. Württemberg nimmt diesen Punkt mit einer Höhe von 1.151 m als höchste Erhebung für sich in Anspruch.

Bei dem Dreifürstenstein war auch der Wendepunkt unserer Wanderung. Zurück führte unsere Route an etlichen, jetzt teilweise verfallenden Bauwerken der ehemaligen Militäranlage vorbei, zum bekannten Aussichtsturm. Dieser wurde 1910 auf die Initiative des badischen Schwarzwaldvereins aus Buntsandsteinen, die aus der näheren Umgebung stammten, gebaut. 1942 von der deutschen Luftwaffe beschlagnahmt ist er heute wieder als Aussichtsturm zugänglich. Hier jedenfalls machten wir eine wohlverdiente Kaffeepause mit einer herrlichen Kuchenauswahl. Die Wanderung zum Ausgangspunkt ging über steil abfallende, durch den Kar-Abbruch führende Wege am Ochsenstall vorbei zurück, wo wir bei einer zünftigen Einkehr die interessante Wanderung ausklingen lassen konnten.

Hennh

Aussichtsturm
Aussichtsturm

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