Wanderwochenende am Kaiserstuhl

Die Ortsgruppe des Schwarzwaldvereins Malsch versucht seit Jahren mit einem breiten sich an die Bevölkerung von Malsch richtenden Programm die geschichtliche und naturkundliche Entwicklung in unserer Region zu erforschen. Neben einer Wanderwoche, die 2012 nach Mittenwald führte, fand im Herbst 2012 eine Exkursion in die Umgebung des Kaiserstuhls statt. Der Weinliebhaber kennt die vulkanisch entstandene Erhebung in der Nähe von Freiburg zumindest dem Namen nach. Wer hat noch nicht von Edinger oder Bötzinger Weinen gehört. Auch das Riegeler Bier ist vielen ein Begriff; aber was kennt man sonst noch vom Kaiserstuhl.

Die Kaiserstühler Berge sieht der nach Süden eilende Urlauber von der Autobahn aus. Gewiss einige sind schon durch den Kaiserstuhl gefahren und einige haben das Breisacher Münster besucht; aber wenn man die Geschichte des Kaiserstuhls hinterfragt, müssen wir in der Regel sehr schnell passen. Wer weiß schon, dass der Landstrich um Freiburg bis zum Reichsdeputationshauptschluss im Jahr 1803 vorderösterreichischer Besitz war.  Eine große Wandergruppe des Schwarzwaldvereins Malsch wollte sich jedenfalls diesen Natur- und Geschichtsraum erwandern. Und der Kaiserstuhl zeigt bekanntlich im Herbst sowieso sein schönstes Gesicht.

Gruppenfoto
Die Teilnehmer der Wandergruppe am Kaiserstuhl

Unsere  erste Station sollte uns die Geschichte von Breisach näher bringen. Schon bei der Anfahrt grüßt von weitem der sehr erhaben auf dem Münsterberg thronende Sakralbau. Seine Entstehung verdankt Breisach den Römern. Wir aber wollten bei einer Stadtwanderung die mittelalterliche Befestigungsanlage kennen lernen. Gestartet wurde am Marktplatz, der übrigens im römischen Breisach den unterhalb des Kastells liegenden Hafen bildete. Die Wanderung verlief über den sagenumwobenen Eckartsberg, auf dem im Mittelalter eine später in die Befestigungsanlage integrierte Burg stand. Oben angekommen offenbarte sich ein Rundblick, so dass sich die Anstrengungen lohnten.

Blick vom Eckardsberg
Blick vom Eckardsberg

Ganz besonders zeigte sich das Münster von seiner besten Seite. Die weitere Wanderung gab sowohl dem Geschichts- als auch dem Naturliebhaber entzückende wie begeisternde Einblicke. Zuerst führte die Route durch Weinberge, bevor dann der Aufstieg auf den Münsterberg mit seiner mittelalterlichen Befestigung  begann. Eine Besichtigung des hoch auf dem Münsterberg liegenden Breisacher Wahrzeichens mit seinen beiden aus dem ausgehenden 12. Jahrhundert in unterschiedlicher Bauweise ausgeführten Türmen war natürlich Pflicht . Aber wer wollte nicht durch den aus Buntsandstein mit einem Reichtum an spätgotischer Steinmetzkunst geschaffenen Lettner zum Chor mit dem in den Jahren 1525 bis 1526 vom Meister H-L (Hans Loi) geschaffenem Hochaltar  gelangen. Von der weiteren Stadtbesichtigung sollen hier nur noch der ehemalige Schlossplatz und der Radbrunnen genannt werden, der die mittelalterliche Stadt bei Belagerungen mit frischem Trinkwasser versorgen konnte. Durch das heute die Stadtsammlungen beherbergende und früher die Rheinbrücke schützende Tor erreichten wir wieder den Ausgangspunkt der Exkursion.

Nach dem Mittagessen rundete ein Besuch der weit über Breisachs Grenzen hinaus bekannten Sektkellerei Geldermann den ersten Wandertag ab. Nicht nur, dass wir die Einblicke in die Sektproduktion samt Historie des Hauses Geldermann erfahren durften, sondern auch ein Rundgang durch die mittelalterliche in den Münsterberg vorangetriebene Kelleranlage lieferten unvergessliche Eindrücke. Abgeschlossen wurde die Besichtigung durch eine Sektprobe, bei der jeder Teilnehmer auf seine Kosten kam.

Der zweite Wandertag führte uns ins botanisch hoch interessante Liliental. Ausgangspunkt für die Wanderung bildete der nie durch eine Erbteilung zerstückelte Lilienhof bei Ihringen. Der Lilienhof wurde in der Vergangenheit von den Grafen von Hachberg, den Grafen von Leiningen, den Markgrafen von Baden und unter anderem auch von den Grafen von Bismarck bewirtschaftet bis er 1857 von der Badischen Gesellschaft für Tabakanbau gekauft wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg fiel der Hof an das Land Baden-Württemberg und somit an die Landesforstverwaltung, die hier in einer parkähnlichen Landschaft ein umfangreiches Versuchsgelände mit heimischen und ausländischen Hölzern – ein sogenanntes Arboretum - schuf. Durch diese Landschaft, in der auch zahlreiche Orchideenarten wachsen, wanderten wir auf den höchsten zugänglichen Punkt im Kaiserstuhl – den Neunlindenturm-. Hier ließen sich übrigen im 14. Jahrhundert bei einer Wallfahrtskapelle Paulinereremiten nieder, denen durch Markgraf Hesso von Hachberg die Vogtsburger Kirche übertragen wurde. Durch Weinberge ging es dann zum Ausgangspunkt der Wanderung zurück.

Die interessanteste Wanderung sollte der dritte Wandertag bringen. Gestartet wurde in Sexau-Lörch um die Hochburg zu erklimmen. Unbeschreiblich sind die Eindrücke als wir durch dunklen Wald hinauf auf das Hochplateau traten und die einmalige mittelalterliche Befestigungsanlage vor uns bestaunen konnten. Durch den äußeren und inneren Burggraben, teilweise noch durch ursprünglichen Verteidigungsstollen, erreichten wir das Burginnere. Die Burg ist neben der Burganlage in Rötteln die zweitgrößte Anlage in Baden. Die im Jahr 1127 erstmals erwähnte Anlage geht auf Dietrich von Hachberg zurück. Sie ging 1415 an die Markgrafen von Baden über und sollte Mitte des 19. Jahrhundert eine gewisse Rolle um die Legende von dem badischen verschleppten Prinzen bzw. Kaspar Hauser spielen. Dies ist allerdings ein anderes Mysterium unserer Zeit. Nach den Erbauern der Burg nannten sich jedenfalls die vormalige Baronin von Geiersberg und spätere Gräfin von Hachberg, von der die zweite großherzogliche Linie abstammt. Somit  war der Weg bereitet, um  die Erbfolge antreten zu können. Wir jedenfalls konnten, nachdem wir die großartige Anlage mit ihrer mittelalterlichen Baukunst bestaunt hatten, die Wanderung durch eine großartige Rebenlandschaft fortsetzen. Bei einer ausgedehnten Rast in einem urigen Ausflugslokal mitten in den Weinbergen durften wir uns auch kulinarisch ergötzen und die Trauben in ihrer „veredelten Form genießen“.  

Hochburg
Die Hochburg, eine mittelalterliche Befestigungsanlage

Den Abschluss des erlebnisreichen Wanderwochenendes bildete eine Besichtigung der „Fauststadt“ Staufen. Bei einer Führung durften wir die wechselvolle Geschichte dieses reizvollen Kleinodes im ehemaligen vorderösterreichischen Gebiet genießen. Neben den historischen Sehenswürdigkeiten hinterließen aber auch die Schäden, die der Stadt durch Tiefenbohrungen zugefügt wurden, einen eher wehmütigen Eindruck. Nach einer Mittagseinkehr in einem Landgasthaus hieß es dann schon wieder Abschied nehmen.

Hennhöfer

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