Wanderung durch die wilde Margarethenschlucht

Wer kennt schon den alpinen Klettersteig im entfernten Neckartal, der nicht nur naturkundlich sondern auch in historischer Hinsicht vieles Interessante zu bieten hat. Die Argumente des langen Anfahrtsweges konnten mit der Begründung, dass wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein werden, entkräftet werden, zumal das von der Bahn angebotene „Baden-Württemberg-Ticket“ in der Preisgestaltung mit dem Auto jederzeit stand halten kann. Zugegeben die Abstimmung der Abfahrtzeiten mit dem Timing der Wanderung ist nicht immer einfach; allerdings sollte dies einen versierten Wanderführer nicht von dem „Abenteuer“ der Gestaltung einer Stadtbahnwanderung abhalten.

Mit der deutschen Bahn ging es von Malsch über Karlsruhe nach Heidelberg, wo ein kurzer Aufenthalt eingeplant war, bevor es mit dem Neckartalexpress bis nach Neckargerach dem Startpunkt unserer kurzen aber hoch interessanten Tour ging. Insgesamt waren 13 Kilometer Wanderstrecke mit insgesamt 300 Höhenmetern auf dem Neckarsteig zu bewältigen. Schon die ersten zwei Kilometer hoch über dem Neckartal mit seinen atemberaubenden Ausblicken auf den Fluss und die Minneburg bei Neckargerach waren die Anreise wert. Nach ca. zwei Kilometer erreichten wir den Einstieg in die Schlucht. Atemberaubend, mit Worten kaum ausdrückbar durchschritten wir das ca. 800 Meter lange Naturdenkmal.

Auf dem Grund der Margarethenschlucht
Die Wanderer auf dem Grund der Margarethenschlucht

Durch die zahlreichen Kaskaden und die dreimal zu überwindenden Furten des die Schlucht durchströmenden Baches abgelenkt, bemerkte man kaum, das der doch recht steile Weg uns mit ca. 200 Höhenmeter auf der kurzen Strecke eigentlich schon etwas Kondition abverlangte.

Anspruchsvoller Aufstieg
Der anspruchsvolle Aufstieg

Oben angekommen konnte man bei einigen Teilnehmern erkennen, dass die Anstrengung gepaart mit etwas Höhenangst doch an den Nerven zerrte. Der weitere Wanderweg hoch über dem Neckartal war von unbeschreiblichen Eindrücken geprägt. Entlang des Schreckberges durften wir bei herrlichem Wetter das liebliche Neckartal genießen.

Nach der wohlverdienten Mittagseinkehr im herrlich gelegenen Hotel auf dem Schreckberg war schnell Neckarelz erreicht. Unser Wanderführer wies hierbei auf die schreckliche Geschichte dieses Landstrichs in der Spätphase des „Tausendjährigen Reichs“ hin. Wer wusste schon, dass gerade in dieser Gegend einige Konzentrationslager errichtet bzw.- geplant wurden. Als im Frühjahr 1944 die Luftangriffe auf die Flugzeugproduktionsstätten Genshagen bei Berlin zunahmen, plante der eigens für die Luftfahrtproduktion eingesetzte Jägerstab, die Herstellung der Flugzeugmotoren in Stollen zu verlegen. Geeignet für eine solche Produktionsstätte waren die Gipsbergwerke in Obrigheim. Bereits im März 1944 wurde in der Schule in Neckarelz ein KZ als Außenstelle des KZ Natzweiler geschaffen und mit 500 KZ-Häftlingen aus Dachau belegt. Weitere Lager sollten im Laufe der letzten Monate der Tyrannei folgen.

Wer mit der Bahn anreist, sollte wie eingangs beschrieben flexibel sein. Der ausgedruckte Fahrplan für die Rückfahrt erwies sich beim Erreichen des Bahnhofs infolge von Gleisbauarbeiten als fehlerhaft. So war die Flexibilität des Wanderführers gefragt. Aber im Zeitalter der Mobiltelefone war auch dies keine wirkliche Herausforderung.

Hennhöfer

© SCHWARZWALDVEREIN MALSCH e.V.