Entlang des Westwallwanderweges in Schaidt

Die Ortsgruppe Malsch versucht schon seit Jahren dem heimatgeschichtlich interessierten Wanderer die nähere Heimat durch Wanderungen zu erschließen. Dabei wird neben dem Naturerlebnis ebenso der heimatkundliche Aspekt in den Fokus der Wanderung gestellt. Dieses Mal, am 19. Juni 2011 sollte uns die von Gottfried Höffner, übrigens ein genialer Kenner des Wandergebietes in der Vorderpfalz, geplante Wanderung in die schier endlosen Weiten des Bienwaldes führen; der heimatkundliche Aspekt berührte allerdings eher einen düsteren Hintergrund unserer Geschichte, nämlich den Westwallwanderweg in Schaidt. Dieser Wanderweg berührt in zahlreichen Stationen das letzte Aufbäumen des Hitler-Regimes, um den seit Jahren überfälligen Absturz aufzuhalten.

Der Westwall war das Gegenstück zur Maginot Linie. Nach den furchtbaren Erfahrungen des Stellungskrieges im ersten Weltkrieg wollte Frankreich bei einer erneuten kriegerischen Auseinandersetzung ein ähnliches Desaster vermeiden. Mit dem im Jahre 1930 unter dem französischen Verteidigungsminister André Maginot begonnenen Befestigungsbauwerk sollte dies gelingen. Das Bauwerk bestand aus zahlreichen Bunkern und Verteidigungssystemen entlang der französischen Grenze zu Deutschland und Italien. Als Gegenstück zu diesem System ließen die Machthaber des „Tausendjährigen Reichs“ ein aus über 18000 Bunkern bestehendes Bollwerk von Kleve an der niederländischen Grenze bis nach Grenzach-Wyhlen an der Schweizer Grenze planen und bauen. Wie so vieles in Nazi-Deutschland hatte dieses Bauwerk zuerst nur propagandistischen Charakter. In der Endphase des 2. Weltkrieges glaubte man – oder machte Glauben - mit diesem Werk die alliierten Truppen aufhalten zu können. Entgegen dem Westwall auf unserer Gemarkung – er wurde durch die Franzosen einfach umgangen - war der Abschnitt unserer Wanderung mindestens für ein paar Tage Hauptkampflinie. Die Westwallkampflinie wurde übrigens von den Alliierten auch „Siegfriedlinie“ genannt.

Wanderer bei einer Bunkerruine
Wanderer bei einer Bunkerruine

Die Wanderung verläuft am Rande bzw. über diese Hauptkampflinie und umfasst eine Reihe realer ehemaliger Gefechtsstände gepaart mit Panzergräben und Minenfelder, die einen Eindruck der Grausamkeit einer militärischen Auseinandersetzung vermitteln. Auch Abnormitäten wie z.B. der Einmannbunker fehlen in diesem Ensemble nicht. Emil Koch, der Gauleiter von Ostpreußen, ist der Erfinder dieses Bunkers, der deshalb auch als „Kochbunker“ in der Literatur zu finden ist. Schutz bietend für Panzerfaustschützen sollte eine optimale Bekämpfung der feindlichen Panzer möglich sein. Im Bienwald wurden im Herbst 1944 noch etliche dieser Bunker gebaut; großen Nutzen hatten diese nicht. Für den Einzelnen bestand die Gefahr jedoch im Himmelfahrtskommando, wenn er dort ohne große Möglichkeit des eigenen Schutzes eingesetzt wurde.

Der Bienwald bietet allerdings auch andere geschichtliche Attraktivitäten, die wir bei unserer Wanderung berührten. So wurde Anfang des 19. Jahrhunderts von einem Auswanderer aus Schaidt als Bitte um Schutz für eine glückliche Überfahrt nach Amerika eine Pieta geschnitzt. Dieses Bild fand seinen Platz in einen Eichenstamm mit Nische in der Nähe von Schaidt.

Gedenkstätte in einer Eiche bei Schaidt
Gedenkstätte in einer Eiche bei Schaidt

Des weiteren berührten wir die sogenannten Turko-Gräber. Die Turkos waren Angehörige von Kolonialtruppen aus Nordafrika, die von den Franzosen im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 eingesetzt wurden. Fünf Turko-Soldaten erlagen in den ersten Kriegswochen in Schaidt ihren schweren Verletzungen und wurden hier im Bienwald beigesetzt.

Hinweis auf die Turkogräber
An einem Baum wird der Soldaten gedacht 

Auch führte die Wanderung an den Mundatsteinen vorbei, die vom 15. bis zum 18. Jahrhundert gesetzt wurden, um den Klosterbezirk Weißenburg – hier den sogenannten Mundatswald - gegenüber dem Hochstift Speyer abzugrenzen. Wir konnten jedenfalls am Ende der Wanderung bei einer Einkehr die Eindrücke der Wanderung Revue passieren lassen.

Mundatstein
Mundatsteine

henh

© SCHWARZWALDVEREIN MALSCH e.V.