Wanderung rund um das Naturschutzgebiet „Großer Schöllkopf“

Am Sonntag, den 13.07.08  wanderte die Ortsgruppe des Schwarzwaldvereins rund um das Naturschutzgebiet „Großer Schöllkopf“ in Gernsbach-Reichental. Die Wanderstrecke betrug rund 12 km mit einer Steigung von 150 Höhenmetern und war für das warme Wetter gerade richtig ausgelegt. Die Wanderungen des Schwarzwaldvereins führen nicht nur in eine natürliche Umgebung sondern sie sollen den Wanderfreunden auch die Heimat mit ihrer Vergangenheit näher bringen. Diese  von dem 2. Vorsitzenden Reinhold Müller konzipierte Wanderung verknüpfte diese beiden Ansprüche exzellent.  

Blick auf Reichental
Ein Blick auf Reichental

Das Murgtal mit seinen steilen Seitentälern bildete in der Vergangenheit mit seinem Waldreichturm zwar eine ausreichende Lebensgrundlage, die allerdings unter unsagbaren Mühen erarbeitet werden musste. Schon bei der Anfahrt zu Gernsbach höchstgelegenem Stadtteil konnte man erahnen, welche Anstrengungen in der Vergangenheit erforderlich waren, dem Wald mit seine steilen Seitentäler den für das Leben notwendigen Grund und Boden abzuringen, um Raps und Getreide anzubauen. Ein zweites Standbein bildete die Holzwirtschaft. In zahlreichen Kohlemeilern wurde direkt im Wald durch die Köhler die für die Industrie sehr begehrte Holzkohle produziert. Die Gewannbezeichnungen „Kohlplatte“ erinnern heute noch an diese schwere Arbeit. Auch geht man davon aus, dass das Märchen „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff seinen Ursprung im Murgtal hatte.

Wandergruppe des Schwarzwaldverein Malsch e.V.  Rast auf dem Großen Schöllkopf

Nach einer langen aber gemächlichen Steigung hatten wir bald den Großen Schöllkopf erklommen. Bei der nun verdienten Rast konnte das herrliche Panorama auf Reichenbach, Schloss Eberstein und den Bergrücken des 988 Meter hohen Hohloh mit dem Orgelfelsen genossen werden. Nach dem Abstieg zu den Rettenbachtalwiesen stand ein weiterer kultureller Hohepunkt des Murgtals zum bestaunen an, nämlich die sogenannten Heuhütten.  

Diese Bauform wurde von Tiroler Einwanderer, die vermutlich während des 30jährigen Krieges ins Murgtal kamen, mitgebracht und hat sich bis heute nur im mittleren Murgtal erhalten.  Die erste urkundliche Erwähnung einer Heuhütte ist jedenfalls für das Jahr 1683 nachweisbar. Die Bauern sammelten die zahlreichen Steine auf den steilen Talwiesen ein und schichteten sie am Rande der Wiese zu Steinriegeln auf, worauf die typischen Hütten erbaut wurden. Auf den Rettenbachtalwiesen stehen heute noch zahlreiche intakte Heuhütten. Entlang des urtümlichen Baches, bei dem zahlreiche Feuchtbiotope vorhanden sind, traten wir unseren Rückweg an.

Bei einem wohlverdienten  Abschluss konnten wir die Wanderung Revue passieren lassen.

henh

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